Dithmarscher Kohltage

Charlene

Königin der Texte

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Dithmarscher Kohltage

18.09.2018 Kohlanschnitt in Brunsbüttel

Die Dithmarscher Kohltage gliedern sich in drei Teile: den Kohlpflanztag, den ich leider aus Termingründen nicht wahrnehmen konnte, den Kohlanschnitt, der 2017 in Friedrichskoog und 2018 in Brunsbüttel stattfand und die Kohlmärkte sowie andere Veranstaltungen in der Region Dithmarschen.

 

Mein Bericht von 2017 befindet sich hier.

 

Der Kohlanschnitt wird oft - auch in den Medien - fälschlich als "Kohlanstich" bezeichnet. Er wird auf einem der Höfe ausgerichtet und von einem massiven Medienaufgebot begleitet. Der NDR war 2018 mit 3 Fernsehteams dabei, aber auch andere Sender und Agenturen wie RTL und DPA waren dort.

 

Der Schleswig-Holsteinische Landwirtschaftsminister Albrecht war zugegen und auch sonst einige politische Prominenz sowie die Vertreter der Bauernverbände... und ich. Die Kohlregentinnen hatten einige Hoheiten eingeladen, aber diesmal war nur ich gekommen.

Manchmal frage ich mich, ob ich auch mal einen Artikel schreiben soll, über etwas, das nicht so gut funktioniert hat. Nicht alles läuft wie geschmiert, und aus Fehlern kann man ja lernen. Durch die vielen Feste, zu denen ich eingeladen war, habe ich ein Gefühl dafür entwickelt, wenn etwas besonders gut funktioniert hat oder auch mal nicht so gut. Die Kohltage in Marne haben eigentlich eine Menge zu bieten. Aber an der Organisation könnte man - was die Betreuung der Ehrengäste angeht - noch einiges optimieren.

Wir waren auch im KOHLosseum Wesselburen, wo viele Produkte aus der Region angeboten werden und man sich über Kohl und die Verarbeitung informieren kann. Ein Besuch lohnt sich.

 

80 Millionen Kohlköpfe warten in Dithmarschen auf Sie!

Dithmarscher Kohltage

22.09.2018 in Marne und 23.09.2018 in Meldorf und Marne

Dithmarschen ist bekannt für seinen Kohl. 80 Millionen Köpfe werden jährlich angepflanzt, und wie überall hatte die Landwirtschaft unter dem diesjährigen trocken-heißen Sommer zu leiden. Trotzdem wird eine erkleckliche Menge geerntet werden.

 

Während der Kohlanschnitt am 18.09.2018 in Brunsbüttel auf dem Hof Vollmert von einem riesigen Aufgebot an Fernsehteams und Presse begleitet wurde, sah ich am Wochenende des Kohlmarktes in Marne und Meldorf nicht eine einzige Fernsehkamera und war entsprechend überrascht.

 

Als Hoheit sehe ich das Fest natürlich aus meiner Perspektive, die nicht immer deckungsgleich ist mit dem Blick, mit dem die Besucher es erleben. Für die Hoheiten gab es ein Programm, das ein paar Eckpunkte auswies. So traf man sich am Samstag, den 23.09.2018 an der „Dithmarscher“ Privatbrauerei zum Tag der offenen Tür. Das Wetter ließ zu wünschen übrig, aber dafür kann niemand etwas.

Nach und nach trudelten die verschiedenen Hoheiten ein, die einen früher, die anderen später. Die längste Anreise hatten die Allgäuer Weinkönigin und die Bergwiesenkönigin aus Pfronten. Sie mussten neuneinhalb Stunden fahren. Dafür muss einiges geboten werden, damit sich die lange Reise lohnt.

 

Für mich war es ein „Katzensprung“ von zwei Stunden. Bei einer Führung durch die Brauerei konnte ich meine bohrenden Fragen stellen. Zuerst wird das Malz, das fertig eingekauft wird, erhitzt, bis die Stärke zu Zucker umgewandelt ist. Dann wird es mit Hefe bei versetzt und gärt 17-23 Tage, bevor es filtriert und anschließend in Flaschen abgefüllt wird. Beim Gären setzt sich die Hefe unten ab (untergäriges Bier), während sie beim Weißbier aufsteigen würde (obergäriges Bier). Die Hefe kann mehrfach wiederverwendet werden. Der bittere Geschmack des Bieres kommt offenbar nicht alleine vom Hopfen, den ich gerade in Schkölen pflücken durfte.

 

Interessant waren die Dimensionen. Riesige Tanks, Leitungen, Kessel und eine hochkomplizierte Abfüllstraße für die unterschiedlichen Flaschen konnten wir sehen. Dithmarscher setzt ausnahmslos auf Mehrwegflaschen. Die müssen entsprechend gereinigt und kontrolliert werden, ein sehr aufwendiger, von großen Maschinen unterstützter Prozess. Da das Leergut unsortiert zurückgeliefert wird, sind genaueste Prüfungen nötig. Flaschen von anderen Brauereien werden mit denen getauscht.

 

Heute stand alles still. Hunderte Besucher strömten durch die Brauerei, und es spielte ein Blasorchester, dass es nur so hallte. Nach der Führung ging es ins Bierzelt, wo wir das Dithmarscher Bier probieren konnten. Na dann prost!

 

Wegen des nasskalten Wetters bekamen wir von der Brauerei schöne Jacken geschenkt. Das gab ein einheitliches Bild mit Brauereilogo – da mussten natürlich Gruppenfotos gemacht werden!

Dann standen wir unschlüssig herum, und es gab keine klaren Ansagen. Gehen wir nun über den Markt oder nicht? Weiß auch nicht. Wo sind denn die anderen? Um 13 Uhr sollten sich die Hoheiten auf der Bühne vorstellen. Dann regnete es mal wieder. Die einen standen hier, die anderen da. Was ist der Plan?

 

Endlich setzen sich die Hoheiten doch noch in Bewegung. Die Sonne war wieder rausgekommen. Überall im Ortskern von Marne waren Stände und Bühnen aufgebaut. Es gab Musik und Vorführungen. Ein Verein von Alttreckerfreunden präsentierte seine historischen Landmaschinen. Neben Treckern war auch eine alte hölzerne Dreschmaschine am Arbeiten, und überall tummelten sich viele Besucher.

 

Vor der großen Bühne gab es eine Vorstellungsrunde.

 

Dann ging es weiter Richtung Bürgerhaus. Auf einem Kinderkarussell fuhren wir Hoheiten eine Runde. Passe ich in das Feuerwehrauto? Nein, wenn ich reinkomme, dann sicher nicht wieder raus. Also stellte ich mich dahinter, hielt mich an der Leiter fest und fuhr im Kreis herum.

 

Im Stadtkrog gab es was Leckeres zu essen. Nicht Kohlrouladen, sondern Schnitzel. Die Kohlregentin hatte sich das gewünscht, weil alle Kohlrouladen mit denen beim Kohlanschnitt nicht hatten mithalten können und die Mengen ohnehin immer viel zu groß sind.

 

Dann mussten wir uns beeilen, rechtzeitig um 14:30 Uhr zur Führung in der Brauerei zu sein. Klappte nicht ganz, weil wir spät dran waren. Aber das machte auch nichts, denn gerade an der Brauerei angekommen, ergoss sich wieder ein heftiger Regenschauer. Wir standen im Trockenen und warteten eine gefühlte halbe Stunde auf das, was jetzt kommen würde. Noch eine Brauereiführung? Verwirrung machte sich breit. Der Braumeister stellte fest, was wir selber wussten, nämlich dass wir die Führung ja schon absolviert hatten und eine zweite eigentlich keinen Sinn machte. Also standen wir noch ein bisschen länger unschlüssig herum.

 

Irgendwann machten sich die Kohlregentin und die Storchenkönigin auf den Weg zum Kohlmarkt. Ich dachte mir, das Programm ginge nun irgendwie weiter, und schloss mich an. Da meine Mutter mit ihren fast 92 Jahren nicht so schnell laufen konnte, musste ich sehen, dass ich auf der einen Seite die Kohlregentin nicht aus den Augen verlor und auf der anderen meine Mutter. Eine echte Herausforderung.

Schließlich kamen wir an einer zweiten, kleineren Bühne an, wo der angekündigte Krabbenpulwettkampf stattfinden sollte.

 

Ein langer Tisch war unter Gartenpavillons aufgebaut, und dort saßen etliche Leute, die bereits in einer Liste eingetragen waren. Wo die anderen Hoheiten blieben, sah ich nicht, denn ich ließ mich als Nummer 21 eintragen, bekam eine Schürze umgebunden und durfte bewaffnet mit einem Eimer und einer Schüssel am Tisch platznehmen. Jetzt wäre eine Erklärung für uns Quittjes angebracht gewesen. Krabbenpulen – noch nie gemacht. Wäre nett gewesen, wenn uns jemand erklärt hätte, wie das geht. Stattdessen wurde das Startsignal gegeben, und ich versuchte, die Krabben irgendwie auszuziehen. Manchmal rissen sie ab, blieben aber in ihrem Gehäuse. Dann wieder kam eine mal richtig gut raus, aber die nächste wollte wieder gar nicht. Am Ende hatte ich 80 g in der angegebenen Zeit ausgepult. Vielleicht waren es 10 Minuten, es kam mir endlos vor. Die Witzenhausener Prinzessin hatte gerade mal 41 Krabben geschafft und die beste Marnerin 498g. Bei der ging es zack zack, während ich mich abquälte und langsam immer besser wurde.

Die Krabben durften wir mit nach Hause nehmen, und es reichte für 2 ordentliche Krabbenbrötchen auf Dithmarscher Kohlbrot.

Damit war der Tag gegen 16:30 Uhr beendet. Ein Abendprogramm – auch ein privates – wurde nicht angeboten. Unsere Unterkunft lag 25 km entfernt in St. Margarethen auf der anderen Seite des Nord-Ostsee-Kanals, und müde wie wir vom Herumstehen waren, schloss ich mich dann doch nicht mehr den Hoheiten aus dem Allgäu an, die den längsten Teil der Nacht in der Disco verbracht haben dürften.

 

Der Sonntag begann erst um 12 Uhr im Städtchen Meldorf. Als wir eine gute halbe Stunde früher eintrafen, war es bereits schwierig, noch einen Parkplatz zu finden. Die Stände wurden gerade aufgebaut, und auf dem idyllischen Marktplatz begann erst das Leben. Auf einer Bühne waren witzige Figuren ausgestellt, die den Blick auf sich zogen.

 

Mit einer Puppenspielerein, der „Utsch Crew“, unterhielt ich mich sehr nett. Sie macht Puppentheater für Erwachsene, und das finde ich eine gute Sache. Viele glauben ja, Puppentheater sei nur etwas für Kinder, aber es kommt doch immer auf die Machart und die Inhalte an. Maja Raue hatte mit ihren Handpuppenauftritten bei uns im TextLabor auch viel Erfolg bei den Großen.

 

Meldorf zeigte sich als ein kleiner aber feiner Ort, und der Stadtrat versicherte mir, dass es viel Historisches gäbe, mit dem man sich beschäftigen könne, vor allem sei man stolz, das Dithmarschen eine freie Bauernrepublik gewesen sei. Deshalb hat man ja auch Kohlregentinnen und keine Königinnen.

Pünktlich um 12:30 Uhr wurde vom Bürgervorsteher und mit den Jagdbläsern die Krönungszeremonie und Vorstellungsrunde der Hoheiten abgehalten.

Statt des Mittagessens im Hotel „Zur Linde“ wie im Plan angegeben, bekamen wir Essensgutscheine für Stände auf dem Marktplatz. Für eine längere Mittagsmahlzeit wäre gar keine Zeit gewesen.

 

Die Kohlregentin Angelina kündigte an, wir würden noch mit der kleinen Bimmelbahn fahren, aber auch daraus wurde nichts, denn um 13:30 Uhr sollten wir schon wieder nach Marne fahren. Ein ziemliches Unterfangen, denn jeder hatte sein Auto woanders, und wo man in Marne bei dem zu erwartenden Andrang an Besuchern parken sollte, war auch völlig unklar.

 

Wir kamen in Marne an und hatten das Glück bereits nach einer erfolglosen Runde im Stau über den ersten Parkplatz eine Lücke auf dem zweiten Parkplatz nahe der Kirche zu finden. Hätte ich nicht vorher gefragt, wo wir uns treffen, wäre ich nun vergeblich durch Marne geeiert. Zum Glück hatte ich gefragt und wusste, zu welcher Bühne ich mich durchdrängen musste. Die Kohlhobelweltmeisterschaft stand an, und man hatte mir gesagt, ich könne mitmachen.

 

Als ich dann etwa 14:05 Uhr an der Bühne ankam, waren die Kohlhobler bereits im Gange.

Es gab mehrere Mannschaften, u. a. zwei mit Hoheiten. Einige weitere Hoheiten standen vor der Bühne, auf der ein Tisch mit eingebautem Hobel festgeschraubt war. Das große Spektakel begann. Die Mannschaften bestanden immer aus 3 Personen, meist zwei Männer und eine Frau, was bei den Hoheiten – allesamt weiblich – nicht ging. Jeder hobelte in einer vorgegebenen Zeit eine Sorte Kohl: Weißkohl, Rotkohl bzw. Spitzkohl. Der Kopf wurde dabei mit Kraft und möglichst schnell über den Tisch gehobelt. Der Moderator machte zweideutige Anspielungen. Ein Mann von der Feuerwehr hielt einen Wäschekorb darunter, der anschließend gewogen wurde.

 

Die Hoheiten haben natürlich nicht gewonnen. Jede Mannschaft bekam eine riesige Flasche Dithmarscher Bier, die Sieger außerdem eine goldene Heugabel. So ist das hier offenbar üblich.

 

Nach dem Wettkampf gab es wieder unschlüssiges Herumstehen. Sollte man sich nochmal vorstellen oder nicht? Na gut, alle nochmal auf die Bühne.

 

Aber danach war dann nichts mehr. Mir taten die Beine weh, ich war müde, und so machten wir uns auf den Weg nach Hause. Mit taten die beiden Allgäuerinnen leid. Sie hatten jetzt noch neuneinhalb Stunden Fahrt vor sich.