Louvre de Blankenberg – eine erfolgreiche Kunstausstellung im ländlichen Raum
01.05.2026
Herausforderungen sind dazu da, angenommen zu werden. Da hab ich nun eine alte Sparkasse gekauft. Was mache ich damit? Eine liebe Nachbarin aus unserem Dorf, die bei unseren Treffen des Heimat- und Kulturvereins Blankenberg eher beiläufig erwähnte, dass sie Bilder malt und zu gerne mal eine eigene Ausstellung hätte, gab den Anstoß. Die Räume hatte ich, die Bilder sie, und zum Themenjahr „WasserKunst im Saale-Orla-Kreis“ der LEADER-Kulturinitiative passten sie auch hervorragend!
Vor 100 Jahren stand an derselben Stelle noch ein altes Haus, in dem ein Künstler Franz Strubelt lebte und seine Bilder ausstellte. Er hat auch das große Wandbild vom Abendmahl in der Blankenberger Kirche gemalt. Aber seitdem hat es wohl nie wieder eine Kunstausstellung in unserem Dorf gegeben. Warum nicht, fragte ich mich ohne große Erwartungen.

Will man hier im ländlichen Raum in unseren heutigen schwierigen Zeiten Publikum zu so einer Veranstaltung gewinnen, dann muss man schon einiges auf die Beine stellen.
Während wir noch überlegten, was wir mit den neuen Räumen anfangen könnten, war ein sehr dreister Einbruch in den Louvre in Paris durch die Medien gegangen. Das inspirierte zu dem Titel „Louvre de Blankenberg“, auch wenn wir mitnichten einen Einbruch haben wollten. Entsprechend wurde Sicherheitstechnik angeschafft. Aber dem Louvre wollten wir im Kleinen nacheifern. Der Bau einer gläsernen Pyramide erwies sich als mit den gegebenen Mitteln dann doch nicht machbar. Letztlich entstand ein sehr schönes Logo als Dreieck neben dem Eingang.

Besucher kommen nur, wenn sie wissen, dass es etwas zu sehen gibt und hoffen, dass es etwas Ungewöhnliches ist. Eine alte Kultursparkasse mit Franz Jäger Tresor wie bei der Olsen Bande, ein Louvre in Thüringen, eine Kunstausstellung auf dem Lande? Wie verrückt ist das denn! Auf allen Kanälen versuchten wir die Leute anzusprechen. Zwei halbseitige Artikel in der Zeitung, zwei Radiointerviews, Social Media, Mundpropaganda… Würde es helfen?
Einige Tage vor der Eröffnung traf sich der Heimat- und Kulturverein, und bei der Diskussion ging es heiß her, ja es kam ein wenig Panik auf. Was, wenn keiner kommt? Gut, das wäre sehr frustrierend, aber damit müssten wir leben. Dann hieße es, die Schnittchen selber essen. Was aber, wenn wir von 150 Besuchern überrannt würden! Der Gedanke daran bereitete uns schlaflose Nächte, aber wir könnten ein Festzelt aufstellen, der Verein könnte Gegrilltes und Getränke, Kaffee und Kuchen verkaufen, und falls das Wetter nicht mitspielen sollte, könnte man geschützt sitzen. Damit ließe sich auch ein unerwartet reger Zustrom handhaben.

Am 14.03.2026 war es dann endlich soweit. Die Laudatio war als Videoprojektion vorbereitet und ließe sich anders als üblich beliebig oft wiederholen. Um 15 Uhr strömten bereits eine ganze Menge Besucher herbei und wurden vom Verein gut bewirtet. Als dann der Louvre um 16 Uhr seine Türen öffnete, waren bereits mehr Menschen gekommen, als gleichzeitig in die kleinen Räume passten. Als einer der letzten erschien auch Bürgermeister Alex Neumüller zur Laudatio.

Der Film leitete die WasserKunst-Ausstellung gebührend ein und war von Lutz Görting mit viel Witz und Charme gestaltet, während Charlene Wolff die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hatte und alle Machbare getan hatte für das gute Gelingen.

Der Bürgermeister äußerte sich begeistert von der Initiative, auf diese Weise Kultur in den ländlichen Raum und Leben in die Gemeinde zu bringen.

Dass bei der Vernissage schon aufgrund der Besucherzahlen intensivere Gespräche mit der Künstlerin nicht möglich sein würden, war bereits im Vorfeld klar. Das ist eigentlich bei jeder Ausstellung so. Dass der Zuspruch so groß war, erfreute uns mit Freude, und wir hatten ja weitere Öffnungstermine bekanntgegeben, bei denen es dann auch genug Gelegenheit zu längeren persönlichen oder fachlichen Gesprächen mit der Künstlerin und Organisatoren gab, was auch gut angenommen wurde. Aufgrund der regen Nachfrage verlängerten wir die Ausstellung um weitere zwei Wochen.
Eine Finissage ist für den 12.05.2026 angekündigt, bevor dann die letzten Bilder die Ausstellung verlassen werden. Einige Kunstwerke wurden zwischenzeitlich verkauft, wobei sicher einige Kunstfreunde Schnäppchen gemacht haben. Wenn man bedenkt, wie lange eine Künstlerin an einem Bild arbeitet und was die Materialien heutzutage kosten, springt meist ein schlechter Stundenlohn dabei heraus.
Nach Abschluss der Ausstellung können wir ein durchaus positives Resümee ziehen. Für eine Kunstausstellung im ländlichen Raum waren unsere Besucherzahlen sehr passabel. In vielen guten Gesprächen wurde die Begeisterung ausgedrückt, dass es einerseits so eine tolle Ausstellung gab, andererseits dass in unserem verschlafenen Ort endlich mal jemand etwas abgesehen von Fasching und Kirchweih („Kirbe“) auf die Beine gestellt hat.
Die Künstlerin Viola Malky ist über sich hinausgewachsen. Ihr hat es gutgetan und viel neue Inspiration gebracht. Auch wenn es Geld und Arbeit gekostet hat, die Spenden nur sehr spärlich flossen, sind wir insgesamt zufrieden.
Die Alte Sparkasse Blankenberg hat sich als Kulturort beweisen können, und oft wurde die Frage gestellt: „Was wird es als nächstes geben?“ Definitiv beantworten lässt sich die Frage (noch) nicht. Im Spätsommer oder Herbst ist eine Ausstellung angedacht mit dem Titel „Blankenberg 1673“ mit vielen Fotos und Geschichten. Aber es gibt auch Pläne, einen Spielfilm mit den Menschen aus der Gemeinde zu drehen – wer mitmachen möchte, kann das. Im Gegensatz zu Theater muss man keine langen Texte einstudieren, sondern kann wiederholen, was nicht klappt. Das ist eine Initiative, die gemeinschaftsfördernd wirkt. Außerdem gibt es einige weitere Überlegungen, die Räume zu nutzen.
Auf Initiative des Heimat- und Kulturvereins Blankenberg wurde unlängst ein alter Eichenbottich erworben und vor der Sparkasse aufgestellt. Er ist die aktuell neuste Sehenswürdigkeit und Stadtgespräch von Blankenberg.

Ein Wermutstropfen bleibt. Das ist die Sabotage, die Kulturveranstaltungen – nicht nur unsere – erleben müssen. Ob es nun Aushänge an den schwarzen Brettern der Gemeinde, die Ankündigung des Carnevals Clubs am Ortseingang, das Verdrehen von Wegweisern ist oder – und das ist zudem Hausfriedensbruch und Diebstahl – das Abschneiden und Stehlen unseres Vereinsbanners an der Sparkasse. Kultur wollen die Menschen, kosten darf es nichts, und was jemandem nicht passt, das sabotiert er. Schäme er sich! Da helfen wirklich nur Überwachungskameras und Anzeigen bei der Polizei. Aber das ist eine andere längere Geschichte.


02.05.2026
